Tobias Greilich: Die Nacht, in der die Zukunft brannte

Meine Eindrücke und Erlebnisse in 10 Jugendjahren als humanitärer Helfer im ehemaligen Jugoslawien. Eine Rundreise.

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    Eckdaten

     

    324 Seiten

    157 Abbildungen (133 Fotos, 24 Landkarten)

    1. Auflage 2016

    ISBN 978-3-942347-18-1

    12,80 €


  •                                       Ein Buch für Ihren Unterricht - es ...

    • erklärt schülergerecht die Hintergründe der Balkan-Kriege (wobei die Region bis heute, nicht zuletzt als Herkunfts- und Transitregion als einer der Brennpunkte der Flüchtlingskrise, eine besondere Bedeutung hat)
    • vermittelt emotional, was Krieg wirklich für betroffene Menschen bedeutet (weil es wichtig ist zu verstehen, dass realer Krieg, auch in der Ukraine oder in Syrien, mehr als eine Hollywood-Produktion oder ein Videospiel ist)
    • regt dazu an, sich als Jugendlicher zu engagieren und einen Blick für Menschen in Not zu bekommen
    • ist für Schüler etwa ab der 10. Klasse gedacht (das entspricht auch dem Beginn der Handlung), mit adäquater Begleitung auch früher
    • eignet sich zuallererst für Sach-/Gesellschafts-/ Gemeinschaftskunde, Politik/Geschichte, Erdkunde, Religion/Ethik oder evtl. Deutsch (auch als Klassensatz)

  • Autorenportrait

     

    Tobias Greilich hat schon als Jugendlicher die Aktion Hessen hilft e. V. gegründet, später auch die German Mine Clearance Association e. V., den hessischen Landesverband der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e. V., die Vereinigung der Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland e. V.  bzw. die Bundesarbeitsgemeinschaft helfender Länder e. V.

    Er hat Hilfsprojekte des United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR), der Europäischen Union, deutscher Regierungsstellen und des Landes Hessen koordiniert und war für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) tätig.

    Sein soziales Engagement führte ihn als sozialpolitischen Sprecher seiner Fraktion in den Wetterauer Kreistag und als Abgeordneten ins „hessische Sozialparlament“ sowie in die EKD-Synode, das Parlament der evangelischen Kirche in Deutschland.

    Er wurde 2001 der jüngste Träger des Bundesverdienstkreuzes und auch mit weiteren Orden des Bundes und verschiedener Länder ausgezeichnet.


  • Titelbeschreibung

    In dem vorliegenden Band legt Tobias Greilich seine Erinnerungen an seine Anfangszeiten "in zehn Jugendjahren als humanitärer Helfer im ehemaligen Jugoslawien" vor und erzählt von rund 100 Reisen nach und durch Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Kosovo, Serbien und Mazedonien.

    Er berichtet von Hilfstransporten und Hilfseinsätzen, von der Errichtung von Flüchtlingslagern und dem Wiederaufbau kriegszerstörter Häuser - sowie von der "Nacht, in der die Zukunft brannte".

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    Stimmen

     

    „Ein 15-jähriger Schüler kann die Nachrichten von Krieg und Leid nicht mehr ertragen. Er beginnt mit anderen, für einen ersten Hilfstransport zu sammeln. Kurz nach seinem 16. Geburtstag fährt er in den Schulferien erstmals mit ins Krisengebiet, organisiert von der Schule aus die nächsten Hilfsaktionen. Es folgen unzählige weitere Hilfstransporte, Flüchtlingslager werden errichtet, kriegszerstörte Häuser wiederaufgebaut. Mit 24 wird er jüngster Bundesverdienstkreuzträger. Menschen in Not zu helfen wird zu seiner Lebensaufgabe, inzwischen hat er seine 13 und 16 Jahre alten Töchter an dieses Engagement herangeführt.

    So ungefähr lautet in Kurzform die Lebensgeschichte von Tobias Greilich, der vor 25 Jahren die Aktion Hessen hilft mitgegründet hat. Über seine „Eindrücke und Erlebnisse in 10 Jugendjahren als humanitärer Helfer im ehemaligen Jugoslawien“ hat Tobias Greilich jetzt ein Buch geschrieben, das deutlich macht, was aus dem Engagement einiger weniger Schüler werden kann – und ganz nebenbei noch die letzten großen Kriege in Europa verständlich erklärt.“

     

    Marcus Winner, Frankfurt am Main

     

     

    "Der Krieg ist vergessen. Bei uns. Aber nicht bei denen, die ihn erlebt und erlitten haben. Längst sind dort nicht alle Wunden vernarbt. Dürfen wir darum vergessen?

    Einer von uns, der diesen erbarmungslosen Krieg miterlebt und miterlitten hat, und der die Menschen auf dem Balkan viele Jahre lang begleitet und unterstützt hat, erinnert sich. Erinnert uns. Damit wir nicht vergessen. Die Menschen auf dem Balkan nicht und nicht die Menschen in all den aktuellen Kriegs- und Krisenländern dieser Erde. Es zeigt: Wir müssen uns nicht abfinden. Wir dürfen es nicht.

    Tobias Greilichs Buch ist ein ungeschminktes Tagebuch und eine spannende Reportage. Ein wertvolles Zeitdokument."

     

    Jürgen Werth, Wetzlar

     


    „Inzwischen habe ich weite Teile des Buches lesen können. Ich bin wirklich tief beeindruckt. Sie schreiben sehr anschaulich, man fühlt sich gleichsam an Ihrer Seite und mitten in der Dramatik des Geschehens. Es ist  gut, dass Sie diese Erinnerungen aus historisch bewegten Jahren der Geschichte unseres Kontinents festgehalten haben. …

    Bis heute bleibt diese Aktion eine in jeder Hinsicht vorbildliche Initiative. Sie zeigt zudem, was eine Handvoll Menschen bewegen kann, wenn sie sich zur Tat entschließt – wobei dieser Entschluss in Ihrem Fall mit geradezu übermenschlichen Anstrengungen verbunden war.

    Ihr Buch habe ich mit Freude – ob Ihres Engagements – und mit Beklemmung – ob des unvorstellbaren Leids – gelesen. Ja, wir können, wie Sie so zutreffend schreiben, das Gesicht der Welt verändern, wenn es jemanden gibt, der vorangeht, andere anstiftet und mitnimmt. Genau das haben Sie so erfolgreich getan – und angesichts Ihres Berichtes wird der Leser fast ein wenig kleinlaut, denn Sie haben Maßstäbe gesetzt – und tatsächlich Großes geleistet.“

     

    Dr. Christoph Böhr, Trier

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    Vorwort
     


    Liebe Leser,

    ich möchte Sie mitnehmen auf eine Art Rundreise durch das ehemalige Jugoslawien. Dieser Vielvölkerstaat im Südosten Europas, zwischen Österreich und Griechenland gelegen, war nach dem Ersten Weltkrieg 1918 entstanden und setzte sich aus den sechs Republiken Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro und Serbien sowie den beiden zu Serbien gehörenden autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina zusammen. Bosnien-Herzegowina besteht aus zwei Landesteilen: der Herzegowina im meeresnahen Südwesten und Bosnien im Hinterland; offiziell heißt das Land „Bosnien und Herzegowina“, dessen „und“ ich aber meist vereinfachend durch einen Bindestrich ersetze.

    Die einzelnen Republiken und Provinzen wiederum setzten sich aus verschiedenen Völkern und Religionen zusammen: Slowenien und Kroatien sind bis heute katholisch geprägt, Mazedonien, Montenegro und Serbien (einschließlich der Vojvodina) christlich-orthodox; in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo kommen die Muslime als Bevölkerungsgruppe hinzu, die in Jugoslawien als eigenständige Nation anerkannt wurden. Das führt dazu, dass es in Bosnien-Herzegowina (christlich-orthodoxe) serbische Bosnier, (katholische) kroatische Bosnier und muslimische Bosnier gibt, die seit den 1990er Jahren im politischen Sinne als „Bosniaken“ bezeichnet werden. Im Kosovo wird üblicherweise von (muslimischen) „Kosovaren“ oder „Kosovo-Albanern“ gesprochen – von den zahlreichen Minderheiten wie Roma, Aschkali, Ägyptern oder Goranen einmal ganz abgesehen.

    Historisch lag Jugoslawien an der Grenze zwischen Morgen- und Abendland. Es war jedoch nicht nur multi-religiös, multiethnisch und multi-national, sondern zudem patriarchalisch und gleichermaßen post-sozialistisch wie auch westlich-konsumierend sowie in weiten Teilen durch ein einfaches Landleben geprägt.

    Ein Land, ein Spannungsfeld.

    Zu Zeiten des Kalten Krieges hatte Jugoslawien als blockfreier realsozialistischer Staat eine Sonderrolle inne. Vor allem die dalmatinische Adria-Küste im Sommer und die Gebirge im Winter (man denke zum Beispiel an die Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo) waren als Reiseziele in Ost und West gleichermaßen bekannt und beliebt.

    Bis zu dessen Tod 1980 wurde Jugoslawien von seinem diktatorischen Staatschef Tito zusammengehalten, wobei anzumerken ist, dass dessen Diktatur sich zum Beispiel von der seines rumänischen Nachbarn Ceaușescu erheblich unterschied und der Personenkult um Tito („Titostalgie“) ebenso wie die Jugo-Nostalgie bis heute anhält. Nicht nur bei denjenigen, die gern an Jugoslawien festgehalten hätten, steht Tito nach wie vor in hohem Ansehen. Denn während er einerseits das Land zur Einheit und vielleicht sogar zum Frieden gezwungen hat, haben andererseits Slowenien und Mazedonien 1945 als Teilstaaten Jugoslawiens überhaupt erst eine staatliche Existenz erhalten, und auch die eigenständige nationale Identität der muslimischen Bosnier wurde erst unter Tito anerkannt und aufgewertet. So verwundert es nicht, dass beispielsweise im Nordwesten Bosniens die Ehrerweisung bis heute so weit reicht, dass großflächige, in Buschpflanzen hineingeschnittene oder aus gestalterisch angepflanzten Bäumen gebildete „Tito“-Namensschriftzüge den Krieg überstanden haben und weiterhin gepflegt werden.

    Nach Titos Tod gipfelten die Unabhängigkeitsbestrebungen der einzelnen Regionen Jugoslawiens in den Unabhängigkeitserklärungen Sloweniens und Kroatiens im Juni 1991, die zunächst zur Intervention der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) und in der weiteren Folge zu den Jugoslawienkriegen, schließlich aber auch zu Unabhängigkeitserklärungen weiterer Regionen und zum Zerfall Jugoslawiens führten. Die einen wollten weg, die anderen wollten sie nicht weg lassen. Damals ist oft die Frage bemüht worden, was denn wohl wäre, wenn der Freistaat Bayern aus der Bundesrepublik Deutschland austreten wollen würde – dieser Vergleich ist zwar nicht ganz passend, erlaubt es aber, sich ein wenig in die Situation hineindenken.

    Die großen Akteure dieser Zeit waren der jugoslawische bzw. serbische Präsident Slobodan Milošević, der kroatische Staatspräsident Franjo Tuđman und Alija Izetbegović, der Präsident von Bosnien-Herzegowina.

    Zehn Jahre lang, von 1993 bis 2003, bin ich rund 100 Mal nach und durch das ehemalige Jugoslawien gereist, ich war in allen früheren Teilrepubliken und Nachfolgestaaten unterwegs, ob mit Hilfstransporten, zu – auch länger dauernden – örtlichen Hilfseinsätzen oder für humanitäre Projektplanungen, ob per Auto, LKW, Fähre oder Flugzeug.

    Wenn ich meine Erinnerungen aus dieser Zeit vorlege, dann erhebe ich nicht den Anspruch eines Wissenschafts- oder Geschichtsbuches, das Vollständigkeit und Objektivität verlangen würde. Ebenso wenig gebe ich chronologische Aufzeichnungen der Hilfsprojekte der Aktion Hessen hilft, die 2016 auf eine 25-jährige Geschichte zurückblickt, oder meiner Zeit bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wieder, die alle nicht selbst Beteiligten langweilen würden. Sondern ich habe meine Erinnerungen als eine Art Rundreise aufbereitet, die durchweg subjektiv geprägt ist und auf die ich Sie mitnehmen möchte, auch wenn die zeitlichen Abfolgen damals andere waren. Ich möchte mit Ihnen durch Slowenien, wo 1991 ein Zehn-Tage-Krieg stattfand, nach Kroatien reisen, wo von 1991 bis 1995 Krieg herrschte, weiter nach Bosnien-Herzegowina, wohin sich der Krieg von 1992 bis 1995 verlagert hat, und schließlich durch Montenegro in den Kosovo, wo der Krieg 1999 seinen Abschluss fand und von wo aus wir Mazedonien und Serbien bereisen.

    Ich möchte Ihnen anhand dieser Rundreise Orte und Städte zeigen, die mich mit ihren damaligen Ereignissen bewegt und geprägt haben, sowie die Hintergründe der dortigen kriegerischen Auseinandersetzungen erklären. Ich möchte Ihnen davon erzählen, was ich dort mit unterschiedlichsten Mitstreitern in Krisenzeiten tun konnte, welche Eindrücke ich dabei gewonnen und was ich erlebt habe, wobei ich der Authentizität halber auch nichts von dem weg lasse, was ich heute selbst als „Anekdoten“ einordnen oder mit jugendlichem Übermut erklären würde. Und ich möchte hin und wieder ergänzend darauf hinweisen, was es sich dort anzusehen und zu erleben lohnt. So, wie die Zeiten sich geändert haben, haben sich auch die touristischen Möglichkeiten geändert, selbst kennenzulernen, was ich beschreibe.

    An einige meiner früheren Wirkungsorte bin ich im Laufe der Jahre zurückgekehrt, andere sind mir im Herzen in Erinnerung geblieben. Alle verbindet, dass sie mir in ihrer Gesamtheit zur zweiten Heimat geworden sind, mit ihren Landschaften, ihren Menschen, ihrer Kultur und ihrer Geschichte.

    Tobias Greilich


  • Inhaltsverzeichnis

     

    Abkürzungen 7
    Vorwort 11
    Einleitung 17

    I. Kroatien 23
    Anreise 25
    Rijeka 27
    Zwischen Pag und Maslenica 28
    Zwischen Zadar und Šibenik 29
    Split 30
    Makarska 31
    Igrane und Živogošče 36

    II. Bosnien-Herzegowina I 39
    Anreise 44
    Opuzen 46
    Mostar 50
    Sarajevo I 57
    Banovići-Oskova und Tuzla 59

    III. Bosnien-Herzegowina II 67
    Županja und Orašje 69
    Brčko-Korridor und Arizona-Market 72
    Lukavac-Prokosovići und Turija 75
    Zavidovići-Vozuća (mit Slivići, Ribnica und Maoča) 76
    Živinice 83
    Olovo 87
    Sarajevo II 88

    IV. Bosnien-Herzegowina III 105
    Hadžići 107
    Blažuj 111
    Rakovica 113
    Rajlovac und Bosanski Petrovac 114
    Ripač und Bihać 202

    Bilderteil: Impressionen aus 25 Jahren 129

    V. Montenegro und Kosovo I 213
    Vorbemerkung 215
    Anreise 215
    Sarajevo - Foča/Srbinje - Podgorica 218
    Opuzen - Neum - Dubrovnik - Petrovac na moru 218
    Ancona - Bar - Petrovac na moru 220
    Petrovac na moru - Podgorica 220
    Podgorica - Peć 221
    Priština/Prishtinë 227
    Kosovo Polje/Fushë Kosovë und Gračanica 231
    Suva Reka/Suharekë oder Therandë 238
    Prizren 247
    Vitina/Viti 251

    VI. Kosovo II 253
    Uroševac/Ferizaj 255

    VII. Kosovo III 265
    Kosovska Mitrovica/Mitrovicë 272
    Zvečan 274
    Zubin Potok 276

    VIII. Serbien, Sandžak und Mazedonien 293
    Serbien 297
    Sandžak 301
    Mazedonien 304

    Versuch eines Resümees 309
    Zwischenbilanz 309
    Motivation 310
    Weitere Entwicklung 313
    Letzte Seite 318